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Leitbild unter der Lupe

Teil 1 – Unsere Leistungen

„Menschen können psychisch oder körperlich erkranken, durch eine Behinderung oder in ihrer Entwicklung eingeschränkt sein. Dann behandeln, betreuen oder begleiten wir sie. Durch unsere zahlreichen Standorte können wir sie wohnortnah versorgen. Wir beziehen ihre individuellen Lebenswelten mit ein.

Unsere Kompetenz lebt von den Erfahrungen, Fähigkeiten und dem Einsatz jedes einzelnen Mitarbeiters. Wir verstehen uns als lernende und lehrende Organisation. Die Behandlung und Betreuung erfolgt nach wissenschaftlich anerkannten Konzepten. Kreativität und Querdenken haben bei uns Platz. Wir beschreiten immer wieder neue Wege.“

In diesem ersten „Kapitel“ des Leitbildes steht zunächst im Zentrum, was wir tun und für wen. Schon am Eingangssatz zeigt sich, dass es ziemlich kompliziert gewesen sein muss, ein Leitbild für alle Mitarbeitenden zu entwickeln. Denn es gibt eine ganze Menge Zielgruppen, um die sich Kolleginnen und Kollegen bei Vitos kümmern: Menschen mit psychischen Erkrankungen sind vermutlich die größte Gruppe; aber wir haben auch eine neurologische und eine orthopädische Klinik unter dem Vitos Dach, auch die dort tätigen Mitarbeiter sollen sich identifizieren können. Und es gibt bei Vitos Behindertenhilfe und Jugendhilfe, seit 2015 unter dem Dach der Vitos Teilhabe zusammengeschlossen. Die Notwendigkeit, die Zielgruppen zu benennen, hat zur Folge, dass auch unterschieden werden muss, was wir jeweils für sie tun: denn Mitarbeitende in der Jugendhilfe haben andere Aufgaben als therapeutisch tätige Kollegen; zwischen der Arbeit in einer Klinik oder in einer HPE (heilpädagogischen Einrichtung) liegen Welten. Die soziale Begleitung chronisch psychisch kranker Menschen umfasst wiederum andere Aufgaben.

Soweit ist das Ganze eine Beschreibung. Ein Leitbild hat aber nicht nur die Aufgabe, eine Zustandsbeschreibung zu bieten – es soll vor allem beschreiben, wie wir sein wollen, wie wir das tun wollen, was wir tun. Dieses Changieren zwischen Ist-Zustand und Wunsch-Zustand ist charakteristisch für Leitbilder; beide dürfen aber nicht zu weit auseinander liegen, ansonsten wirkt das Leitbild nicht als Ansporn, den Istzustand zu optimieren, sondern schlicht unglaubwürdig.

Dieses Changieren zwischen sein und sein wollen findet sich verstärkt im zweiten Teil. Nicht jeder und jede bei Vitos Tätige wird sich als Teil einer lernenden und lehrenden Organisation empfinden. Und mehr als die eine oder der andere wird auch schon mit seiner Kreativität und seinem Querdenken an deutliche Grenzen gestoßen sein. In diesen Formulierungen liegt gleichwohl ein Stück Realität – denn sie wurden von Kollegen und Kolleginnen gewählt, die hier offenkundig positive Erfahrungen gemacht haben oder dem Unternehmen zumindest zutrauen, dass sie machbar sind. Und mehr noch: indem sie in das offizielle Leitbild Eingang gefunden haben, sind sie zu einem Anspruch geworden, den das Gesamtunternehmen mit seinen sämtlichen Gremien und Hierarchieebenen an sich selbst stellt: so wollen wir sein.