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Lobby fürs Leitbild

Rege Diskussionen und der eine oder andere Aha-Effekt

Als Betriebsstättenleitung ist man/frau vieles: Chefin, Finanzverantwortliche, Kummerkasten, Mediatorin, … zurzeit bin ich außerdem: Lobbyistin.

Lobbyarbeit für unser Leitbild

Lobbyistin nämlich für das 2016 entwickelte und von Vitos Geschäftsführer Reinhard Belling in den Vitos Gesellschaften vorgestellte konzernweite Leitbild. Es gibt schlimmere Jobs.

Mir war schnell klar, dass in dem Leitbild vieles steckt, was meinen Mitarbeitern wichtig ist und wichtig sein soll: Menschenbild, Haltung, Engagement, Werte – die haben sie und die brauchen sie auch für ihre Arbeit. Diese Werte, fand ich, sollten sie in dem Leitbild des Unternehmens, für das sie arbeiten, auch wahrnehmen.

Die Wahrnehmung schärfen

Es ging und geht mir also nicht darum, meinen Mitarbeitern zu sagen, wie sie zu sein haben: Die sind alle sehr in Ordnung und gehen mit einer wunderbaren Einstellung auf unsere häufig wirklich schwierigen Klienten ein.

Nein, es ging mir darum, ihre Wahrnehmung zu schärfen. Die Werte, die ihnen wichtig sind, sind auch die Werte, mit denen sich das Unternehmen, in dem sie arbeiten, insgesamt identifizieren kann und will.

Mit dieser Botschaft war ich in allen meinen Teams unterwegs – und natürlich gab es durchaus auch Vorbehalte: Das Leitbild wurde von vielen, was ich schon vermutet hatte, für ein Produkt der Führung gehalten. Mein erster Anlauf war also, das zurechtzurücken.

Also erst noch mal zu klären, dass es ein von Mitarbeitern aus allen Konzerngesellschaften und aus allen Unternehmensbereichen entwickeltes Leitbild ist, über das wir hier reden. Dass es sich bei der Leitbildentwicklung um einen klassischen Bottom-Up-Prozess (von unten nach oben) gehandelt hat. Und eben nicht um das, was „die da oben“ gern im Leitbild stehen haben und „denen da unten“ überstülpen wollten.

Das gab schon den einen oder anderen Aha-Effekt – und ein deutlich größeres Interesse, was die Kollegen denn da nun eigentlich formuliert haben.

Querdenken erwünscht

Spannend war, welche Begriffe die meisten positive Reaktionen auslösten: „Querdenken“ wurde da mit Abstand am häufigsten genannt. Das zeigt eine nicht nur bei Vitos (vermute ich mal) verbreitete Sehnsucht nach Eigenständigkeit, vielleicht auch Widerständigkeit gegen zu viel Angepasstheit, Fremdbestimmung, Funktionieren müssen, ob nun beim Arbeitgeber oder vielleicht sogar gesamtgesellschaftlich.

Immer wieder kam: „Stimmt, so machen wir das ja, das ist uns ganz wichtig in unserer Arbeit“. Zustimmung fanden Begriffe oder Sätze wie: „Einbeziehen individueller Lebenswelten“, „Kreativität und Querdenken“, „offen und wertschätzend“ und, ganz wichtig: „Diskriminierung und Ausgrenzung haben bei uns keinen Platz“. Immer wieder kam man auf konkrete Beispiele und es fand eine rege Diskussion zur Übertragung in die tägliche Arbeit statt.

Wie gesagt, es sind keine Haltungen oder Werte, die uns fremd waren. Sie im konzernweiten Leitbild zu finden, ist aber eine Ermutigung, zu ihnen zu stehen und sie zu verteidigen, wenn es nötig werden sollte. Und ich bin zuversichtlich: das stärkt den Einzelnen, die Teamgemeinschaft und die Identifikation mit Vitos.