05 Nov. Mein Weg nach Deutschland: Glaube, Familie und neue Perspektiven
Pflegekraft Shaharas berichtet von ihren Erfahrungen
Manchmal beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit vielen offenen Fragen – und mit Hoffnung im Herzen. Dieser Beitrag erzählt von meinem Weg nach Deutschland.
Mein Name ist Shaharas, ich bin Muslimin, verheiratet und Mutter einer siebenjährigen Tochter. Ich komme aus Indien und arbeite bei Vitos Herborn. Seit einem Jahr lebe ich in Deutschland – einem Land, das mir viele neue Türen geöffnet, aber auch viele Fragen aufgeworfen hat.
Zwischen zwei Welten: Heimat und Neuanfang
In diesem Blogbeitrag möchte ich einen kleinen Einblick in meine Erfahrungen geben, besonders in Bezug auf meinen Glauben, mein Familienleben und die Unterschiede zwischen meiner Heimat Indien (Kerala) und meinem neuen Zuhause in Deutschland.
Als gläubige Muslimin spielt mein Glaube eine zentrale Rolle in meinem Leben. Er gibt mir Orientierung, Halt und Ruhe – besonders in Zeiten der Veränderung und Unsicherheit.
Fragen vor dem Aufbruch
Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich viele Gedanken – und auch einige Sorgen. Würde ich meine Religion hier offen ausleben dürfen? Würde es Orte geben, an denen ich beten kann? Würden mich die Menschen akzeptieren? Diese Fragen haben mich beschäftigt, doch ich bin froh sagen zu können: Viele meiner Ängste waren unbegründet.
Heute kann ich sagen: Ich wurde nicht abgelehnt. Natürlich falle ich auf, aber ich wurde nie angegriffen. Viele Menschen hier interessieren sich ehrlich für andere Kulturen und Glaubensrichtungen – das hat mich positiv überrascht.
Glauben leben in Deutschland
In meiner Heimat ist es für Frauen nicht selbstverständlich, offen an Gebeten in der Moschee teilzunehmen. Ich selbst durfte nie wirklich zum Gebet gehen – nicht weil ich es nicht wollte, sondern weil es gesellschaftlich nicht erlaubt war. Religion wurde eher im privaten Raum gelebt, besonders für Frauen.
Hier in Deutschland ist Religion viel privater, aber auch offener. Als Frau kann ich selbst entscheiden, wie ich meinen Glauben lebe – das ist ein großes Geschenk.
In Deutschland herrscht Religionsfreiheit, und ich fühle mich in meinem Glauben respektiert. Natürlich gibt es Unterschiede zur Heimat – zum Beispiel höre ich hier keine Gebetsrufe wie in Indien und Moscheen sind nicht so zahlreich vorhanden. Dennoch ist es möglich, seinen Glauben zu praktizieren, ohne Angst oder Druck. Ich treffe andere Muslime, es gibt Freitagsgebete in verschiedenen Moscheen, und auch religiöse Feiertage wie das Opferfest oder der Ramadan werden in der Gemeinschaft gefeiert.
Ein ganz besonderer Moment war mein erster Besuch in einer Moscheegemeinde hier in Deutschland während des Ramadans. Ich war mit meiner Kollegin und ihrer Familie dort. Ich war aufgeregt und unsicher, denn ich war noch nie in einer Gemeinde zum öffentlichen Gebet. Doch das war wunderschön. Ich fühlte mich verbunden – mit Allah, mit der Gemeinschaft, mit meiner inneren Stärke.
Dieser Moment hat mir gezeigt: Mein Glaube lebt in mir, egal wo ich bin.
Sehnsucht nach Familie
Am schwersten ist für mich die Trennung von meiner Familie. Mein Mann und meine Tochter leben noch in Indien. Wir telefonieren jeden Tag per Video, teilen unseren Alltag, ich höre ihre Stimmen, sehe ihr Lächeln – und doch fehlt die Nähe. Besonders bei meiner Tochter fällt es mir schwer. Sie wächst so schnell – und ich möchte bei ihr sein, sie zur Schule bringen, mit ihr lachen und lernen.
Aber ich bin voller Hoffnung: Sie werden bald nach Deutschland kommen. Wir arbeiten daran, und ich zähle die Tage.
Ein Gefühl von Heimat
Deutschland hat mir gezeigt, dass ich meinen Glauben auf meine Weise leben darf – als Frau, als Mutter, als Muslimin. Es war kein leichter Weg, aber er hat mich wachsen lassen. Mein Kopftuch, mein Glaube und meine Geschichte gehören zu mir. Und ich bin stolz darauf.
Die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, war nicht einfach – aber sie hat mir neue Perspektiven eröffnet. Ich habe gelernt, dass man seinen Glauben überall leben kann, wenn man ihn im Herzen trägt. Und dass Familie und Glaube die zwei Säulen sind, auf denen mein Leben steht – ganz egal, auf welchem Kontinent ich mich befinde.
- Shaharas
- Shaharas Arbeitsplatz: Die Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herbron
- Sharahas mit Kolleginnen in der Pause
- Mit Kollegin Merin auf Station



