Kategorie:chronische Schmerzen

Schmerz lass nach

Warum wir ohne ihn nicht leben können und wie es gelingt, mit ihm zu leben

Schmerzen gehören zu den Lebenserfahrungen, die wir alle kennen und auf die viele Menschen gerne verzichten würden. Unsere körperliche Ausstattung mit Schmerzrezeptoren, mit der Schmerzweiterleitung und letztlich der Schmerzverarbeitung und Schmerzbewertung sind archaische Grundelemente, die der Körper dringend benötigt. Warum ist das so? Wieso kann man chronischen Schmerz nicht abgelöst von der Biografie des Einzelnen betrachten? Und wie können anhaltende Schmerzen gelindert werden?

Als ich in den 90er Jahren erstmals von dem Fibromyalgiesyndrom gehört habe, war ich entzückt. Endlich hatte ich einen Namen für eine Erkrankung, die wir früher nur beschreiben, aber nicht benennen konnten. Bald kam die Ernüchterung. „Machen“ konnte man als Arzt nichts. Unsere medikamentöse Therapie nach dem WHO-Stufenschema griff nicht. Außerdem waren die begleitenden psychischen Leiden der Patienten so auffällig, dass mir bald Zweifel kamen. „Fibromyalgie“ klingt so ungeheuer körperlich. Und wo blieb die Seele? Warum sagte man den Patienten nicht, dass die Erkrankung einen psychosomatischen Hintergrund hatte? Dass sie eine Depression haben?